Nachruf:Superintendent i.R. HR Pfr. Mag. Joachim Rathke

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Liebe Schwestern und Brüder! Hiermit muss ich euch die traurige Nachricht übermitteln, dass Superintendent i.R. HR Pfr. Mag. Joachim Rathke in der Nacht des gestrigen Sonntag, 25.02.2018 verstorben ist. Joachim Rathke wurde am 06. Dezember 1936 in Friedland in Ostpreussen geboren. Sein Vater war brandenburgischer Pfarrer und seine Mutter Kärntnerin. Er war das sechste von acht Kindern, kam als Kleinkind nach Pommern und floh mit Mutter und Geschwistern achtjährig vor den herannahenden Russen über Strahlsund nach Villach. Ein Jahr lang lebte er bei Verwanden im Liesertal, später wurde die Familie in einem Flüchtlingslager in Treffling und anschließend in Spittal an der Drau untergebracht. In Spittal besuchte er das Realgymnasium und maturierte 1955. Sein Vater war zunächst Lagerpfarrer, anschließend Pfarrer in St. Veit an der Glan, von wo aus er die Gemeinde Althofen selbstständig machte und aufbaute. Anfang der 50iger Jahre erhielt die Familie die österreichische Staatsbürgerschaft. Im Herbst 1955 inskripierte Joachim Rathke an der Universität in Wien Evangelische Theologie. 2 Semester studierte er als Stipendiat in Mainz. Dort lernte er im Heim der großen Mission in Mainz-Kastel den kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft kennen. Durch den dortigen Kirchenpräsidenten Martin Niemöller erhielt er ein weiteres Stipendium der Hessischen Kirche. Am 03. Juli 1961 legte er das Examen pro candidatura erfolgreich ab und begann am 01. September 1961 sein Lehrvikariat bei Pfarrer Paul Pellar in Villach. Am 19. August 1961 heiratete er Hildgunde Leopoldine, geboren Kiesling. Dem Ehepaar wurden 3 Kinder geschenkt. In dieser Zeit wurde für Joachim Rathke die Jugendarbeit zu seinem besonderen Schwerpunkt und zu seiner Leidenschaft. 1963 vertrat er bei einer Tagung des Lutherischen Weltbundes in Helsinki das Evangelische Jugendwerk in Österreich. Am 30. Juni 1963 wurde Joachim Rathke in Villach ordiniert und im Herbst des selben Jahres zum Pfarrer der Evangelischen Pfarrgemeinde in Fresach bestellt. Sechs Jahr später, im Jänner 1969, wurde er amtsführender Pfarrer in Villach Stadtpark. 1980 wurde er in die Synode und in die Generalsynode A.u.HB. gewählt und in 4 Synodale Ausschüsse berufen. Viele Jahre war er Obmann des theologischen Ausschusses. 1988 wurde er zum Senior und am 20. Jänner 1996 zum Superintendenten der Evangelischen Diözese Kärnten / Osttirol gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Pensionierung am 31. Dezember 2001 inne. Am 07. März 1984 wurde ihm das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und am 11. Dezember 2001 vom Bundespräsidenten der Berufstitel Hofrat verliehen. Joachim Rathke war mit Leib und Seele Pfarrer. Er war nicht nur ein begnadeter Prediger und leidenschaftlicher Theologe, sondern er war auch historisch und kunstgeschichtlich interessiert und versiert. Unvergesslich sind gemeinsame Fahrten im Rahmen von Rollenden Pfarrkonferenzen oder Fortbildungen, bei denen er die Mitreisenden und die Zuhörerschaft mit seinen detailreichen Kenntnissen stets begeisterte und faszinierte. Wie bereits angesprochen und erwähnt schlug sein Herz besonders intensiv für die Jugendarbeit. Joachim Rathke nahm die Jugendlichen auch in ihrem kritischen Geist sehr ernst, er animierte sowohl im Unterricht, als auch im Jugendkreis zum eigenständigen Denken, zur kritischen Wachsamkeit und zum aufrechten Gang. Spannende, heiße und kontroverse Diskussionen prägten viele seiner Unterrichtsstunden und die Zusammenkünfte im Jugendclub. Viele blieben dem Jugendclub bis ins hohe und betagte Alter treu. Jochi organisierte im Sommer Jugendfreizeiten, bei denen Gemeinschaft des Evangeliums mit allen praktischen Facetten des Zusammenlebens vom Zeltaufbau bis zum gemeinsamen Kochen und Abwaschen eingeübt und praktiziert wurde. Als begnadeter Prediger und Rhetoriker war er viele Jahr im ORF als Sprecher, Ausleger und Verkündiger tätig. Joachim Rathke hat unsere Kirche von der Basisarbeit in der Pfarrgemeinde über die Diözese bis hin zur Synode mit seinem Temperament, mit seiner theologischen Weite und seinen besonderen Begabungen wesentlich nachhaltig mitgeprägt und mitgestaltet. Dabei war er a in manchen Themenbereichen immer wieder visionär und manchen Zeitgenossen voraus. Er hat sich nicht gescheut gegen Widerstände und Kritik, theologisch und gesellschaftspolitisch Position zu beziehen. Er hat sich in Kärnten immer wieder für die Minderheiten eingesetzt, besonders für die Gleichberechtigung und Gleichstellung der slowenischen Volksgruppe. Er war aktiv in der Flüchtlingsarbeit engagiert und hat sich immer wieder in eindrucksvoller Weise für die Schwächsten und Ärmsten eingesetzt und stark gemacht. In der Ökumene galt er als Vorreiter und Brückenbauer. Bereits in seiner Tätigkeit als Pfarrer in Villach hat er in der Stadt wegweisende ökumenische Initiativen und Impulse gesetzt und Ökumene gelebt. Nach seinem Ruhestand fand er mehr Zeit zum theologischen Studium die er sich in seiner aktiven Zeit mühsam abgerungen hat. Zwei Bücher sind daraus entstanden, die mit ihrer Publikation für ihn einen weiteren wichtigen Höhepunkt seines theologischen Schaffens und Lebenswerkes darstellten. Als Nachfolger im Amt des Superintendenten sowie in persönlicher Verbundenheit möchte ich Joachim Rathke für all sein segensreiches herzlichen danken. Er war ein glaubwürdiger Zeuge und Verkünder des Evangeliums, der auch in Krisenzeiten immer auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes und die liebevolle Zuwendung durch Christus vertraut hat. Er war vielen ein Vorbild. Auch wenn die letzten Jahre seines Lebens durch die heimtückische Krankheit Alzheimer stark gezeichnet waren, sind wir für ein langes und erfülltes Leben und Wirken ihm und Gott dankbar. Wir wissen Joachim geborgen und aufgenommen in Gottes Hand. Unsere besondere Anteilnahme gilt seiner Familie, insbesondere Gundl, die mit Joachim gemeinsam in der Pfarrgemeinde Villach aber auch in der Superintendentur vieles mitgetragen und mitgewirkt hat. In aller Traurigkeit des Abschiednehmens finden wir Trost und Zuversicht in der Verheißung unsers Glaubens, dass der Tod nicht das Letzte ist. Jesus Christus spricht: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh.11,25). Die Beerdigung findet am kommenden Freitag, 02. März 2018 um 13:00 Uhr in der Evangelischen Kirche in St. Ruprecht statt. Die Pfarrinnen und Pfarrer werden gebeten, im Talar zu kommen. Mit lieben Grüßen Pfr. Mag. Manfred Sauer Superintendent